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Architekturfotografie und denkmalpflegerische Bilddokumentation

Bildarchiv Norbert Rauscher - Fotoarchiv historische Architektur
Baudenkmale und Architekturgeschichte

 

Stockphoto-Galerie Nr.5  Foto, Fotografie, Bild, Abbildung

Texturen, Strukturen, Oberflächen, Materialien, historische Baustoffe, Ziegel

 

Fotograf und Urheberrecht:  Dipl.-Architekt Norbert Rauscher
D-16548 Glienicke/Nordbahn, Kieler Straße 16, Telefon: (033056) 80010, E-Mail: n.rauscher@web.de
Internet: www.fotografie-architektur.de, www.fotografie-landschaft.de
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Ziegelmauerwerk, Verblendmauerwerk / Vorsatzmauerwerk von 1931 am Rathaus von Glienicke/Nordbahn (Brandenburg), gemauert im Märkischen Verband (Läufer-Läufer-Binder, Binderziegel immer mittig über der Fuge zwischen den darunter liegenden Läufern), engobierte Verblendziegel / Klinker im Alten Reichsformat 250 x 120 x 65 mm in bunter Mischung, nicht besonders sauber verarbeitet, ursprünglich ohne separate Verfugung, die Fugen wurden nur beim Aufmauern leicht zurückliegend ausgekratzt, die Bereiche mit flächenbündiger Verfugung sind das Ergebnis einer Sanierung um 2002. Die letzten Bildreihen zeigen das flächenbündig verfugte Mauerwerk eines rückwärtigen späteren Anbaus ebenfalls im Märkischen Verband, hier jedoch mit dem Neuen Reichsformat 240 x 115 x 63 mm (Schwankungen zwischen 60 ... 65 mm), bei Sanierungsarbeiten wurden diverse Ziegel passend ersetzt; Baudenkmal; Aufnahmedatum: 24.5.2015

Märkischer Verband und Gotischer Verband (Polnischer Verband): In der Fachliteratur besteht offensichtliche Uneinigkeit bei der Bezeichnung von Mauerverbänden / Mauerwerksverbänden. Sowohl beim Märkischen als auch beim Gotischen Verband folgen auf jeweils einen Binderziegel zwei Läuferziegel, beim Gotischen Verband gelegentlich (um Muster zu erzeugen) auch drei oder nur ein Läufer. Um die Verwirrung perfekt zu machen, wird der Gotische Verband teilweise auch als Polnischer Verband bezeichnet. Nach aktueller baufachlicher Sprachregelung besteht der Unterschied darin, dass beim Gotischen Verband der Binder immer mittig über einem Läufer liegt, während beim Märkischen Verband der Binder immer mittig über der Fuge zwischen den beiden Läufern liegt. Daher gibt es beim Märkischen Verband nur eine einzige Variante und diese mit regelmäßigem Muster, während beim Gotischen Verband mehrere Gestaltungsvarianten möglich sind, was sowohl in der Gotik als auch in späteren Zeiten genutzt wurde. Besonders in der älteren Baugeschichtsliteratur werden häufig beide Verbände mit beiden Namen bezeichnet. Außerdem lassen sich diverse Mischformen aus beiden Verbänden erzeugen mit grafisch interessanten Fugenbildern, regional unterschiedlich bezeichnet. Diese Fugenbilder entfalten jedoch erst Wirkung oder sind überhaupt erst erkennbar bei großen ungestörten Wandflächen, weshalb man sie im Baubestand nur selten findet.

Im Zeitraum etwa zwischen 1920 und 1960 war der Märkische Verband in ganz Deutschland weit verbreitet, geradezu in Mode, die folgenden Bildgruppen zeigen Beispiele. Er ist ein stabiler und gleichzeitig sparsamer Verband für Vollmauerwerk. Es gab auch einen abgewandelten Märkischen Verband, bei dem jede zweite Schicht (vermutlich aus Kostengründen) durch eine reine Läuferschicht ersetzt wurde; ein Beispiel siehe in > Menslage-Schandorf (Stockphoto-Galerie 1a). Dieser Verband war besonders im norddeutschen Raum verbreitet, einige norddeutsche Ziegelhersteller zeigen ihn noch heute auf ihren Webseiten, so z.B. die Firma "Randers Tegl" in Schleswig-Holstein. Eine formal-ästhetische Beziehung besteht erkennbar zu Heimatschutzbewegung und Reformarchitektur ab etwa 1910, mit dem Ende von Gründerzeit und Historismus löste der Märkische Verband weitgehend den bis dahin am meisten verbreiteten Kreuzverband ab. Seine Anwendung ging zurück mit Ausbreitung des zweischaligen (hinterlüfteten oder kerngedämmten) Verblendmauerwerks, seitdem dominiert der Läuferverband.









 

Ziegelmauerwerk, expressionistisches Klinker-Verblendmauerwerk in einer Farbmischung aus rot-braun-violetten Klinkern, gemauert im Märkischen Verband mit sehr dicken Lagerfugen um 25-35 mm (im Mittel um 30 mm) bei normalen Stoßfugen, Klinkermaße im Oldenburger Format 220 x 105 x 52 mm mit größeren Toleranzen besonders bei den Längen (um 210-225 mm), wohl Handstrichklinker, die Fugen bereichsweise inzwischen vielfach ausgebessert / neu verfugt; laut Wikipedia soll es sich um "Oldenburger Eisenklinker" handeln (siehe unten; woher diese Information stammt, wird nicht mitgeteilt). Evangelische Kreuzkirche in Berlin-Schmargendorf (Stadtbezirk Charlottenburg-Wilmersdorf von Berlin, Ortsteil Schmargendorf), errichtet 1928-1929, Architekten: Ernst und Günther Paulus (Vater Ernst 1868-1935 und Sohn Günther 1898-1976); Gestaltung des Mauerwerks durch Zackenfriese, mittels Ziegelversatz horizontal gebänderte Flächen, durchbrochene Ziegelflächen (Gittermauerwerk) als Schallöffnungen, gedrehte Ecksäulen und Wandsäulen / Spiralstäbe, usw.; Baudenkmal. Weitere Fotos und Informationen zur Kirche siehe Stockphoto-Galerie Nr.2b; Ziegelfotos von zwei verschiedenen Fassadenflächen (daher unterschiedlicher Sonnenstand), Aufnahmedatum: 25.4.2019

Mit Eisenklinker werden bis zur Sinterung gebrannte Ziegel (= Klinker) bezeichnet aus eisenoxidhaltigem Ton, entweder natürlich oder durch Zugabe von Eisenoxid als Flussmittel, dadurch entsteht beim Brennen die rot-blau-violette Klinkerfarbe; das Oldenburger Format hat die Abmessungen 220 x 105 x 52 mm. Siehe dazu auch die folgenden Literaturangaben sowie die Hinweise zur nächsten Bildgruppe unten:
Willi F. Bender: Lexikon der Ziegel. Vom Aal-Deckenziegel bis zum Zwischenwandziegel in Wort und Bild; Bauverlag, Wiesbaden und Berlin 1995 (zweite Auflage), Seite 70: "Eisenklinker, gängige und übliche Bezeichnung für Klinker aus eisenoxidhaltigem Ton, die in reduzierendem Feuer gebrannt wurden und dadurch eine blaurote bis blauschwarze Farbe haben." Digital im Internet zum Nachschlagen zu finden mit laufenden Ergänzungen und Aktualisierungen unter Dachziegelarchiv.de
Das gesamte Baugewerbe. Handbuch des Hoch- und Tiefbauwesens. Redigiert von O. Karnack. Verlag von Bonneß & Hachfeld, Potsdam / Leipzig o.J. (um 1900), Seite 64, Nr. 116: "... sogenannte Eisenklinker sind aus Ton und zerkleinerter Eisenschlacke bis zum Sintern gebrannte Steine".







 

Ziegelmauerwerk, Klinker-Verblendmauerwerk um 1927-1930 im Märkischen Verband, unveränderter Originalzustand ohne separate Verfugung, nur aufgemauert mit leicht zurückliegenden / tiefliegenden Fugen (Mauermörtel vermutlich gleich beim Aufmauern etwas ausgekratzt), inzwischen leicht ausgewittert; kleines norddeutsches oder holländisches Ziegelformat mit starken Maßschwankungen, etwa zwischen Waalformat 210 x 100 x 52 mm und Oldenburger Format 220 x 105 x 52 mm (diese Maße wurden am häufigsten festgestellt); das Mauerwerk ist insgesamt unsauber verarbeitet, bei den Ziegeln scheint es sich um Handstrichziegel minderer Qualität zu handeln (sehr geringe Maßhaltigkeit, sehr unterschiedliche Oberflächen, Verwerfungen und Risse durch ungleichmäßigen Brand, einige Langseiten sind leicht besandet), offenbar wurde hier billiges Material preisgünstig verarbeitet, in der Gesamtwirkung jedoch interessant, sehr lebendig und von schöner Farbwirkung besonders bei wechselndem Sonnenstand ― oder es handelt sich um sogenannte Schmorbrandklinker (siehe unten, aber nicht in der dort beschriebenen Extremform) oder Eisenklinker; mäßig verschmutzte Oberflächen besonders durch Rußablagerungen aus dem Straßenverkehr. Sockelmauerwerk zu einer Wohnanlage in Berlin-Wedding im Quartier Amrumer Straße / Ostender Straße / Lütticher Straße / Limburger Straße, hier Straßenseite / Außenseite der Amrumer Straße 2-10, Architekt Albert Geßner (1868-1953), der aus einer vierseitig geschlossenen Blockrandbebauung bestehende Komplex ist entstanden zwischen 1927 und 1930; Denkmalschutz gemäß Landesdenkmalliste; zum Aufnahmezeitpunkt Sonnenschein von rechts, Aufnahmedatum: 21.4.2016

Zur Herstellung der Schmorbrandklinker gibt es in der DBZ Deutsche Bauzeitschrift, Heft 5/2015, einen interessanten Beitrag, von dem nachfolgend ein Auszug wiedergegeben wird; den vollständigen Text findet man auf der Website der DBZ unter https://www.dbz.de/artikel/dbz_Eine_Aussenhaut_aus_Schmorbrandziegel_Kirche_St._Marien_Wangerland_2331885.html

Robert Mehl: Eine Außenhaut aus Schmorbrandziegel. Kirche St. Marien, Wangerland-Schillig. "Der kleine Familienbetrieb brennt seine Klinker noch in einem traditionellen Ringofen. Dabei sind diese nach einem ersten, regulären Brand immer noch rot, besitzen aber schon eine deutlich lebendigere Textur, als deren industrielle Pendants aus dem Tunnelofen. In einer kleinen Ziegelmanufaktur in Belgien erhielten die Klinker einen zweiten so genannten Reduktions- oder Schmorbrand, durch den die Steine noch weitere Feuchtigkeit verlieren und der verwendete Ton teilweise zu reinem Kohlenstoff zerfällt. Dafür werden die Öfen luftdicht abgeschottet, womit das Feuer zum Brennen den elementaren Sauerstoff des Tones nutzen muss. Chemisch liegt dieser in dessen Ferritanteil vor, der Grund warum Ziegel überhaupt rot sind. Denn Eisenoxid ist nichts anderes als Rost. Der zweite Brand zerlegt den Ton in seine chemischen Bestandteile, in reinen Kohlenstoff und in Eisen. In der Folge werden die Klinker langsam von außen nach innen schwarz und ihre Oberfläche bekommt eine metallische Verfärbung, sowie durch andere zersetzte Bestandteile diverse Salzverkrustungen und Ausblühungen. Bedingt durch den handwerklichen Charakter der Ringofenproduktion, sind diese Texturen von Stein zu Stein unterschiedlich. Leider verformen sich die Ziegel mitunter auch sehr stark, so dass bis zu 5 % aussortiert werden müssen. Auch sind die fertigen Ziegel zunächst staubig wie Steinkohle-Briketts."









 

Ziegelmauerwerk, Klinker-Verblendmauerwerk um 1927-1930 im Märkischen Verband, unveränderter Originalzustand ohne separate Verfugung, kaum verschmutzte Oberflächen, zu allen weiteren Angaben siehe vorstehende Bildgruppe (es handelt sich um den gleichen Wohnkomplex). Sockelmauerwerk zu einer Wohnanlage in Berlin-Wedding im Quartier Amrumer Straße / Ostender Straße / Lütticher Straße / Limburger Straße, hier verschiedene Bereiche der Hofseite / Gartenseite der Ostender Straße 30-38; Fassade über dem Klinkermauerwerk mit Kieselkratzputz unter kräftiger Fassadenfarbe; zum Aufnahmezeitpunkt Sonnenschein von links, Aufnahmedatum: 21.4.2016












 

Ziegelmauerwerk, Klinker-Verblendmauerwerk um 1927-1930 im Märkischen Verband, unveränderter Originalzustand ohne separate Verfugung, nur mäßig verschmutzte Oberflächen, zu allen weiteren Angaben siehe die vorstehenden beiden Bildgruppen (es handelt sich um den gleichen Wohnkomplex). Sockelmauerwerk zu einer Wohnanlage in Berlin-Wedding im Quartier Amrumer Straße / Ostender Straße / Lütticher Straße / Limburger Straße, hier verschiedene Bereiche der Straßenseite / Außenseite der Limburger Straße 1-19, durch Straßenbäume teilweise leicht verschattet; zum Aufnahmezeitpunkt Sonnenschein von links, Aufnahmedatum: 21.4.2016






 

Ziegelmauerwerk, Klinker-Verblendmauerwerk um 1935 im Märkischen Verband, unveränderter Originalzustand; Klinker mit rauer feinkörniger Oberfläche, kleines norddeutsches oder holländisches Ziegelformat um 21 x 10 x 5,5 cm mit größeren Maßschwankungen (holländisches Waalformat ?); Gebäude auf der "Bastion Brandenburg" der Zitadelle / Festung von Berlin-Spandau; Aufnahmedatum: 25.3.2015




 

Ziegelmauerwerk, Ziegel-Verblendmauerwerk um 1930 im Märkischen Verband, wohl Hartbrandziegel, aber keine Klinker, offenbar unveränderter Originalzustand des Mauerwerks; Giebelseite eines Bauernhauses in Schleesen (Ortsteil von Kemberg, Landkreis Wittenberg; Sachsen-Anhalt), Unter den Linden; Aufnahmedatum: 20.8.2015




 

Ziegelmauerwerk, Ziegel-Verblendmauerwerk von 1953 (datiert) im Märkischen Verband, unveränderter Originalzustand des Mauerwerks; Giebelseite eines niederdeutschen Bauernhauses in Heinbockel (Landkreis Stade; Niedersachsen), Dorfstraße; Aufnahmedatum: 22.8.2016


 

Ziegelmauerwerk, Ziegel-Verblendmauerwerk im Märkischen Verband; Außenseite eines Wirtschaftsgebäudes in Kemberg (Landkreis Wittenberg; Sachsen-Anhalt), Bauzeit nicht bekannt (wohl Mitte 20.Jahrhundert ?); Aufnahmedatum: 20.8.2015


 

Ziegelmauerwerk, historisch, Johanneskirche von 1936 in Berlin-Frohnau (Berlin, Stadtbezirk Reinickendorf, Ortsteil Frohnau) nach Entwürfen von Walter Krüger und Johannes Krüger; zweifarbiges Ziegelverblendmauerwerk in sehr seltener Ausführung (!): jeweils drei hochkant verlegte Ziegel-Läuferschichten werden unterbrochen von ein oder zwei normal (flach) verlegten glasierten Ziegel-Läuferschichten, es gibt keine Binderziegel; durchschnittliche Ziegelmaße etwa 240-260 x 120 x 60-65 mm, angestrebt war vermutlich das Reichsformat 250 x 120 x 65 mm; die unglasierten Ansichtsflächen der hochkant verlegten Ziegel zeigen eine sehr interessante grobe Materialstruktur, vmtl. wurden sie im traditionellen Handschlagverfahren hergestellt; die letzte Bildreihe zeigt das Mauerwerk des Anbaus (Gemeindehaus, Pfarrhaus); Aufnahmedatum: 22.6.2010






 

Ziegelmauerwerk, Klinkerverblendmauerwerk / Ziegelverblendmauerwerk / Vorsatzmauerwerk von 1935 in geometrischer Ziermauerung; Fassade eines großen Hallengebäudes auf dem Ausstellungsgelände (Weltausstellung / Expo) in Brüssel / Bruxelles (Belgien) im Stadtteil Heysel / Heizel; Aufnahmedatum: 30.8.2012






 

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